2019 haben sich the temper tree mit ihrem selbstbetitelten Debüt-Album auf die Reise
gemacht, um sich selbst zu finden. Anfänglich noch als Trio ohne klassischen Bassisten
unterwegs und mit Elektro-Einflüssen arbeitend, entschied man sich bereits beim zweiten
Album act like nothing is wrong„ “ dazu, sich wieder mehr an den eigenen musikalischen
Wurzeln zu orientieren, die bei den drei Gründungsmitgliedern auf demselben Fundament
wachsen, wenn man sich deren Bandhistorien ansieht: david becker (Gesang und Gitarre) und
matthias heinz (Gitarre und Background-Gesang) – beides Masterminds der Heidelberger
Metalband Thorn.Eleven Anfang der 2000er Jahre – sowie kai bergerin (Schlagzeug), der
unter anderem die Felle für die Death-Metalband Disbelief bearbeitete. Hinzugewonnen hat das
Team mit mik baron inzwischen nicht nur einen fetten natürlichen Bass-Sound, nachdem man
sich zuvor vornehmlich auf Synth-Bässe verlassen hatte, sondern auch eine ordentliche Portion
Coolness.
Nachdem die Herren bereits mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum 2019 für einiges Aufsehen
sorgen und sich in den Gehörgängen zahlreicher Freunde der Rock- und Popmusik festsetzen
konnten, und sich der eigene Stil mit dem Nachfolger Act Like Nothing Is Wrong„ “ deutlich
weiter entwickeln konnte, ist die Band mit einem neuen Album am Start – und hat sich
endgültig selbst gefunden. Auf this was only the best worst day of your life yet„ / “ wird
über neun Songs das zelebriert, was jede Band anstrebt, aber nicht jede findet: Rockige Riffs
mischen sich mit tanzbaren Popbeats, tiefgängige Songtexte in englischer Sprache treffen auf
eingängige Melodien, alles mit der der nötigen Eigenständigkeit, die den entscheidenden
Wiedererkennungswert ausmacht. Ganz bewusst hat man bei der Produktion im Sinne eines
Gegenpols zu den gängigen sterilen Produktionsweisen und auf einen natürlichen Bandsound
Wert gelegt, ohne dabei an Druck oder Energie zu verlieren.
Und nicht nur musikalisch sind the temper tree erwachsener geworden – die Attitüde der Band
und die Texte des aktuellen Albums sind politischer geworden, denn da sind sich alle
Bandmitglieder einig: man kann und darf sich dem Weltgeschehen nicht entziehen. Texte und
Musik spiegeln in großen Teilen den alltäglichen Kampf zwischen Mut und Frustration wider, die
Bereitschaft, sich trotz aller Widrigkeiten täglich erneut aufzurappeln und sich nicht vom
Wahnsinn, der sich in der Welt immer mehr auszubreiten scheint, und nicht von den eigenen
täglichen Sorgen und der ständigen Reizüberflutung unterbekommen zu lassen. Als
Bindeglieder zwischen den neun, teils musikalisch sehr differierenden und
abwechslungsreichen Songs im Spannungsfeld zwischen kurzem, knackigen Rockern und sich
langsam aufbauendem treibenden Grooves, fungieren atmosphärische Zwischenstücke, die den
Wahnsinn der Welt und den den Kampf gegen die vermeintliche Hilflosigkeit vertonen.
Kapitulation ist keine Option, den brüllenden Aggressoren dieser Welt wird Lautstärke und
Kreativität entgegengesetzt, den Gleichgesinnten Mut vermittelt. Die Guten sind noch da und
schweigen nicht, Robotisierung darf nicht die Zukunft sein! So findet sich im Titel this was
only the best Worst day of your life yet/ genau diese Ambivalenz wieder: nicht jeder Tag
kann gut sein, aber auf alle schlechten Tage folgt irgendwann auch ein Guter…..

